> Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass es beim Streik um
> Besitzstandswahrung der Inhaber von Arbeitsstellen geht und nicht um
> die Interessen der beinahe 25% arbeitslosen Jugendlichen.
Gewiss, zu einem Teil bestimmt. Wer könnte dem kein Verständnis
entgegenbringen, macht es doch die Rechtslage den Arbeitgebern noch
einfacher, junge Menschen, die momentan noch in Lohn und Brot stehen,
einfach auf die Straße zu setzen?
> was soll
> denn ein Staat tun, wenn sich unter den aktuellen gesetzlichen
> Rahmenbedingungen eine solche hohe Zahl von Arbeitslosigkeit unter
> Jugendlichen entwickelt?
Vielleicht das Bildungssystem verändern? In Frankreich könnten die
Bildungsunterschiede zwischen den Klassen größer kaum sein.
> Eine gewisse Liberalisierung des
> Arbeitsmarktes ist die einzige Lösung, die sich bietet.
Du hältst es also für eine innovative Methode, die
Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, indem man es den Arbeitgebern
zusätzlich erleichtert, sich dieser einfach zu entledigen?? Glaubst
du wirklich, dadurch werden nun MEHR Jugendliche eingestellt? Ein
Witz! Wenn, dann müsste das ganze mit Auflagen für die Unternehmen
verbunden sein, nachdem sich jedes Unternehmen nach seinen
Möglichkeiten verpflichten müsste, einen gewissen Prozentsatz junger
Menschen einzustellen.
> Ein
> Festhalten am Status Quo ist zynisch, denn von alleine geht die Zahl
> nicht herunter. (Die Arbeitslosigkeit der ausländischen Jugendlichen
> und der der 2. Generation ist noch um einiges höher).
Eben. Du glaubst doch aber nicht wirklich, dass dort, wo keine Jobs
frei sind, plötzlich welche entstehen, nur weil man den Eingestellten
jederzeit wieder rausschmeißen kann? Und WAS für eine Veränderung
brächte ein solcher Zustand für die jungen Menschen mit sich?
WIRKLICH eine Veränderung, oder doch eher vom Regen in die Traufe?
Imho mal wieder nichts, als ein wirtschaftlicher Kniff, um die
Arbeitslosenquoten auf dem Papier etwas zu bereinigen.
> Firmen stellen nicht
> Leute an, um sie sobald als möglich wieder zu entlassen.
Wenn dem so ist, warum braucht es dann diese Regelung?? Du
implizierst, dass durch diese Regelung die Bereitschaft der
Unternehmen erhöht wird, Jugendliche einzustellen. Das widerspricht
sich doch aber. Enweder ist die Bereitschaft und auch der Bedarf von
vorn herein da - dann brauche ich aber keine Regelung, die es mir
ermöglicht, den Angestellten in den nächsten 2 Jahren fristlos
kündigen zu können, wenn ich doch eigentlich einstelle, um NICHT
gleich wieder zu entlassen.
> Eine Liberalisierung (man hätte sie klüger anpacken können in F)
> erleichtert zwar einerseits Entlassungen, führt aber auch zu
> vermehrter Anstellung.
Das wage ich, zu bestreiten. Und selbst wenn die Zahl der
Einstellungen steigt, fragt sich, mit welcher Intention. Wenn ich
eine Fachkraft brauche, die ich auf Dauer beschäftigen möchte (also
länger als 2 jahre), dann brauche ich keine Regelung, die es mir
ermöglicht, diese vor Ablauf von 2 Jahren fristlos zu kündigen. In
den 2 Jahren kann ich diese nämlich auch so innerhalb einer
Kündigungsfrist von 4 Wochen entlassen (müsste in FRA ja ähnlich
sein, wie bei uns), sollte sich ein Grund dafür einstellen. Das
entspricht ja dem entwürdigenden Prinzip eines Ehevertrages, der
schon vor der Hochzeit den Fall der Scheidung regeln soll. Im Falle
der neuen Regelung in FRA geht der Jugendliche Arbeitnehmer als
totaler Verlierer aus diesem “Pakt” hervor, während die Firmen die
Gewinner sind. Was kann dadurch erreicht werden? Allerhöchstens ein
Anstieg der Kurzzeit-Jobs, die keinerlei Perspektive für die
Arbeitnehmer bieten. Ebenso ein Absinken der Löhne, denn wer nicht
zufrieden ist, wird kurzerhand rausgeworfen und durch jemanden
ersetzt, der für noch weniger arbeiten will.
> Es ist ja nicht so, dass eine Entlassung nicht
> durch die Arbeitslosenversicherung abgefedert wird.
Komisch. Ich dachte, Sinn und Zweck der ganzen Aktion wäre es gerade,
die Arbeitslosigkeit zu senken und die Sozialkassen zu entlasten…