Kollektivschuld, Meinungsfreiheit - Bewaffnete Proteste der Palästinenser ge…
>
> > 1. Amerikaner sind gut, weil sie uns vor den Nazis gerettet haben.
>
> Nein.
>
> Amerikaner sind nicht per se “gut” oder “schlecht”, aber die
> Amerikaner haben z.B. eine längere demokratische Tradition.
> Demokratie heisst nicht notwendig bessere Entscheidungen, aber
> Demokratie ist auf lange Sicht das bessere System als jede andere
> Alternative. Europa hat entgegen anderslautenden offiziellen
> Bezeichnungen keine Demokratie, Europa hat eine Bürokratie. Europa
> ist eine wunderbare Idee, die bisher total Scheisse umgesetzt wird!
>
> Siehe hierzu auch das Editorial in der sz vom Wochenende:
>
> http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/getArticleSZ.php?artikel=artike
> l7535.php
>
> > 2. Juden sind gut, weil die Nazis sie schlecht behandelt haben.
>
> Nein.
>
> Juden sind nicht per se “gut” oder “schlecht”. Aber nach dem, was
> Deutsche Juden angetan haben, empfiehlt es sich, deutlich mehr
> Zurückhaltung walten zu lassen.
Deutsche haben auch ihr Leben geopfert, um Hitler umzubringen.
> Wir, mit unseren 7 Tonnen
> menschlichem Haar in einer Lagerhalle, mit unseren 450.000 Anzügen
> jetzt Toter in einer Lagerhalle eines einzigen KZs, wir mit einer
> Verbrennungsanlage für 10.000 Menschen pro Tag, wir haben schonmal
> keinerlei *moralische* Berechtigung, die Juden zu kritisieren - zumal
> die Entstehung des Staates Israels (und damit des jetzigen Dilemmas)
> ganz entscheidend auf den Massenmord im 2. Weltkrieg zurückgeht -
> also auf uns!
“Wir”, “uns”. ICH habe damit nichts zu tun. Ich habe noch lange nicht
einmal gelebt, als das alles geschah. Wieso sollte ich mich deswegen
in der grundgesetzlich verbrieften Freiheit der Meinungsäußerung
einschränken lassen? Weil eine Menge Deutsche mal eine Menge Scheiße
gebaut haben, muß ich dafür keine Verantwortung tragen, nur weil ich
Deutscher bin. Kollektivschuld war eine Idee der Nazis, deswegen
wollten sie ja alle Juden beseitigen. Wer Kollektivschuld nun auf den
Deutschen anhängen möchte, denkt in denselben Begriffen.
Schwarz-weiß.
Ich halte diese Denkstrukturen für primitiv und unheilvoll. Deswegen
bemühe ich mich auch bei der Israel-Palästina-Frage um
differenziertes Denken. Deswegen ergreife ich auch nicht einfach eine
einzige Partei. Mir geht es also nicht darum, eine Lizenz zum
Judenbeschimpfen zu erlangen. Ich habe überhaupt nichts gegen Juden,
ganz im Gegenteil. Es muß aber auch einem Deutschen erlaubt sein, die
israelische Politik zu kritisieren, genau wie auch die russische
Politik kritisieren darf (etwa in der Sache mit Tschetschenien),
obwohl Millionen Russen im Zweiten Weltkrieg von Deutschen getötet
wurden. Genauso will ich gefälligst auch amerikanische Politik
kritisieren dürfen, auch wenn “die Amerikaner” “uns” von den Nazis
befreit haben.