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Das war mal ein sachlicher Artikel - Testlauf für G8-Proteste in Hamburg

18 September, 2008 (23:05) | Allgemein

protestensch! Abgesehen von der augenscheinlichen Fehlerfreiheit auch
inhaltlich ohne Polemik, ausgewogen, und an den Fakten bleibend.
Warum nicht immer so?
Was den Kleinkrieg betrifft darf man noch gespannt sein, wie die
nächsten Wochen wirklich verlaufen. Meine Hoffnung ist ganz klar,
dass die Globalisierungsgegner keine medientauglichen illegalen
Aktivitäten starten, die dem Einschüchterungs- und
Überwachungsapparat
neues Futter spendieren könnten. Denn man darf
nie vergessen: hier wird auf beiderlei Seiten die Stimmung bewusst
angeheizt (was der Artikel ja nicht verschweigt). Wir hatten
islamistische Anschläge, wir haben links motivierte schwere
Sachbeschädigung, wir haben bewusst aggressives Vokabular bei
einzelnen Gruppen der G8-Gegner. Das ist das Öl, welches auf der
Demonstrantenseite ins Feuer gegossen wird, und unseren Schäble und
Co. weiter anheizt. Was wirklich passieren wird, weiß heute noch kein
Mensch. Darüber wird man im Nachhinein Bilanz ziehen müssen. Wenn
dort oder im thematischen Umfeld etwas Schwerwiegendes passieren
wird, wird Deutschland in den Schweineherbst zurückfallen. Und nach
dem Ursache-Wirkung-Prinzip wäre die Hauptschuld klar auf Seiten der
Gegner zu suchen, die es nicht geschafft haben, selbst in ihren
Reihen einigermaßen die Kontrolle zu behalten.
Dass der Staat wirr alles vermischt, mag man ihm vorhalten. Aber
selbst wenn wir uns die Exekutive als debilen, aber offen aggressiven
Wachhund vorstellen, würde doch niemand auf die Idee kommen, diesen
zu reizen. Hier muss Sachlichkeit überwiegen, der Protest muss in die
Öffentlichkeit (und nicht gegen den Hund), und mit allen
Rechtsmitteln muss ersucht werden, diesen Hund in die Schranken
seiner Aufgabe und Verantwortung zu weisen. Das wäre der richtige
Weg. Und in Bezug auf die übereilten Aktionen des Staates sind
mittlerweile sogar die öffentlich-rechtlichen Mainstream-Medien auf
der kritischen Seite.
Comran
P.S.: hat gestern abend jemand Panorama gesehen? Die dort zu Wort
gekommenen G8-Gegner haben ein peinliches Bild abgegeben. Mit
Sicherheit wurde die Auswahl tendenziell getroffen, aber dass jemand
auf die Frage “Gegen was sind sie genau” erst einen Spickzettel
suchen muss ist mehr als übel. Passt zur gefühlten Diffusität, etwas
abzulehnen, in dem eigentlich die einzige Chance auf eine gerechtere
Welt zu suchen ist. Denn wenn die Gipfelmächtigen dieser Welt zum
Teufel gejagt werden, wer wird nachrücken, um die Welt wirklich zu
verbessern? Warum versucht man nicht, die thematischen Forderungen
der “Gipfelgegner” in ein politisches Programm zu gießen und sich dem
demokratischen Wahlrecht zu stellen?

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