PKK organisiert Proteste mit Kindern - Friedensengel Erdogan?
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/539474.html
“Zitat:PKK organisiert Proteste mit Kindern - Zuspruch für
Kurdenführer Öcalan nimmt ab
Günther Seufert
ISTANBUL. Im Südosten der Türkei dauern die gewaltsamen
Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Demonstranten auf der einen
und Armee sowie Polizei auf der anderen Seite an. Am Wochenende
wurden zwei Menschen getötet und etwa zehn verletzt. Die
Demonstrationen waren vergangene Woche durch die Beerdigungen
mehrerer PKK-Kämpfer in Diyarbakir ausgelöst worden. Gestern
verlagerten sie sich in die Provinz.
In Kiziltepe, Silopi, Yüksekova und Silvan ging die Polizei mit
Panzern und Tränengas gegen Demonstranten vor, die Steine warfen,
Behörden stürmten und Barrikaden errichteten. In Van zogen
Sicherheitskräfte mit über einhundert Fahrzeugen, darunter Panzern,
durch die Stadt und schüchterten potenzielle Demonstranten ein. In
Adana formierten sich Kinder und Jugendliche zum Protestzug, zündeten
Reifen an und wurden von der Polizei vertrieben.
Die Szenerie in Adana ist typisch für die Unruhen der letzten Tage.
“80 Prozent der Demonstranten in Diyarbakir sind Minderjährige”,
sagte Efkan Ala, Gouverneur von Diyarbakir. Tatsächlich sind fast die
Hälfte der 77 Verhafteten in Diyarbakir unter 18 Jahre. Kinder und
Jugendliche sind heute eines der Instrumente der PKK, die die
Proteste über Internetseiten und den von Dänemark aus sendenden Kanal
Roj TV anleitet. “Sie haben den Kindern fünf türkische Lira und
Molotowcocktails in die Hand gedrückt”, verharmlost
Landwirtschaftsminister Mehdi Eker die Situation, doch die Probleme
liegen tiefer und reichen mehr als zehn Jahre zurück.
Um der PKK die Logistik zu entziehen, räumte die türkische Armee
Mitte der neunziger Jahre tausende Dörfer, brannte viele nieder. “In
der Region Diyarbakir wurden dreitausend Dörfer zwangsgeräumt”, sagt
Mesut Yildirim, Vorsitzender des muslimischen Menschenrechtsvereins
Mazlum in der Stadt. “Wir stehen einer Generation von in die Stadt
geschwemmten Menschen gegenüber, die keinen Halt haben.”
In einer Untersuchung der Provinzverwaltung von 2004 kommen 80
Prozent der gefassten minderjährigen Taschendiebe aus der
zwangsgeräumten Region. Ihre Familien haben im Durchschnitt sieben
Kinder, nahezu ein Drittel ihrer Väter und fast 90 Prozent ihrer
Mütter können weder schreiben noch lesen. “Weder sie selbst noch ihre
Eltern trauen dem Staat”, sagt Ihsan Babaoglu, Chef der Regionalbüros
der Gewerkschaft Egitim-Sen. Mit Hilfe dieser verlorenen Generation
organisiert die PKK die größten Ausschreitungen seit Jahren. Denn
unter Geschäftsleuten, Berufsverbänden und NGO bröckelt die
Unterstützung für Abdullah Öcalan, den Führer der Partei, der seit
1999 in türkischer Haft sitzt.”
Dass die PKK nun auch noch Kinder einsetzt, zeigt die grenzenlose
Skrupellosigkeit dieser Terrororganisation. Sämtliche Reformen, von
denen am allermeisten die Kurden selbst profitieren, gefährdet man
auf fahrlässige Weise. Dem türkischen Staat bleibt nun die Wahl,
entweder rigoros gegen den Terror vorzugehen oder zuzuschauen, wie
eine Terrororganisation die Oberhand gewinnt. Viele Kurden möchten,
dass die Türkei EU-Mitglied wird, die PKK versucht mit allen Mitteln
den Reformprozess aufzuhalten, weil es nämlich ihre Legitimation
untergräbt und schlussendlich die Existenz der PKK gefährdet.
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