Erfahrungswerte - Die Proteste in Frankreich halten an
protestejaho schrieb am 20. März 2006 12:03
> >
> > > Deutschland und Frankreich gelten als Länder mit dem mit am wenigsten
> > > liberalen Arbeitsmarkt. Gerade dort sind (im Vergleich zu anderen
> > > westlichen Ländern) die AL-Quoten mit am höchsten. Das sollte zu
> > > denken geben.
> >
> > Das tut es ja auch.
>
> Das tut es eben leider nicht, wenn man sich die Reaktion rundherum
> ansieht. Es wird reihum so getan, als hätte die franz. Regierung zum
> Ziel, die Jugend-AL noch weiter steigen zu lassen.
Liberalisierung des Marktes ist mitnichten einzig und allein auf eine
Lockerung des Kündigungsschutzes für Jugendliche AN zu beschränken!
Du machst glauben, das wäre die einzige und einzig wahre Möglichkeit,
den Arbeitsmarkt zu liberalisieren.
Und es wird nicht “reihum so getan”, sondern es wird reihum Besorgnis
geäußert, die auf eine Menge Erfahrung gründet.
> Das ist doch
> Nonsense!
Natürlich wäre das Nonsens. Nonsens ist aber ebenso deine Behauptung,
reihum würde so getan, sprich unbegründet unterstellt, der
französische Staat wöllte die J-Arbeitslosigkeit weiter erhöhen.
Diese Befürchtungen basieren auf Erfahrungswerten. Bei uns fliegt
auch zuerst die Pauschalkraft oder der Probezeitler, wenn Not am Mann
ist.
> Und bevor reflexartig sich gegen jegliche Reform zur Wehr
> gesetzt wird,
Wer tut denn das? Du setzt dich hingegen schon wieder reflexartig
gegen jegliche, anderslautende Meinung zur Wehr. Merkst du das
eigentlich überhaupt noch?
> sollte man schon selber einen Vorschlag machen können,
habe ich natürlich gemacht, wurde von dir aber (wie immer)
übergangen. War im übrigen ein Vorschlag, der parallel zur
Kündigungsschutzreform hätte laufen können.
> wie das überaus DRINGENDE Problem dieser sehr hohen (>20%) Jugend-AL
> angegangen werden kann.
Zunächst mal müsste spreziell für frankreich erkundet werden, WORAUF
genau diese hohe Quote zurückzuführen ist. WER ist hauptsächlich ohne
Job, welcher soziale Hintergrund, welche Bildungskarriere. Hapert es
bereits im Bildungs- und Sozialwesen? Wird es vielleicht den
Unternehmen zu leicht gemacht, nicht ausbilden zu müssen? Wie wird
die Jobsuche angegangen (Bewerbung, Auftreten, Interesse,
Motivation)?
> Bislang ist noch niemand von all den
> Forenteilnehmern hier und den Streikenden und Protestierenden in
> Frankreich mit einem (realistischen) Vorschlag aufgetreten.
Du machst es dir einfach. Du stimmst unreflektiert einem Vorschlag zu
und meinst nun, dir keine weitergehenden Gedanken machen zu müssen?
Da irrst du aber gewaltig.
>
> > Die Frage ist nur, ob die gewählten Mittel
> > erfolgsversprechend sind. Das glaube ich weniger.
>
> Glauben kann man vieles.
Es sind wie gesagt Erfahrungswerte. AN, die vom Gesetz her keinerlei
Rechte mitbringen, sind in aller Regel die ersten, die es trifft, da
einfach am unbürokratischsten und einfachsten zu entfernen. Beipsiel
Schwarzarbeit: rate, warum die sich alle reihenweise unterbieten?
Weil es viele von ihnen gibt und weil sie ohne viel federlesen wieder
abserviert werden können, wenn die Firma nicht mehr will, bzw., wenn
sie einen anderen billiger haben kann.
> Pessimisten haben es auch einfacher als
> Optimisten. Ooptimisten müssen ihren Optimismus immer begründen.
Hast du ne Ahnung: Pessimismus muss man ebenso begründen, wie
Optimismus. Ist man Pessimist, muss man sich sogar den führenden
Experten erklären, die natürlich an solcher Art Vorschlägen selbst
gebastelt haben und von ihrer Richtigkeit und Effektivität überzeugt
sind. Begründen und erklären sollte man schon jeden Standpunkt
können, den man vertritt.
>
> > Zumal man sich
> > fragen sollte, was für einen Sinn es machen soll, wenn in einem
> > Staat,
>
> Das ist ein anderes Thema, das angesichts einer Jugend-AL von über
> 20% so oder so die Gesellschaft vor schwere Probleme stellt.
Nein, genau das ist ja der Punkt. Das Problem, das hier doch
eigentlich angegangen werden soll, ist schon die Jugend-AL.
Allerdings weht der Wind auch aus der finanziellen Ecke. Die
Sozialkassen sollen entlastet werden - würden sie ja auch, wenn es
weniger Arbeitslose gäbe. Aber mit einem solchen Ziel muss ich doch
einen Weg finden, der mit Sicherheit auch die Arbeitslosigkeit sinken
lässt, also primär Jobs schafft. Will ich nun speziell die Jugend-AL
senken, erreiche ich doch eher das Gegenteil, erleichtere ich es nun
noch den AG, Jugendliche vor die Tür zu setzen!
Der Vorschlag, erscheint mir völlig hilflos. Den Unternehmen wird
Honig ums Maul geschmiert, damit die sich doch bitte bitte überreden
lassen, Stellen zu schaffen. Dafür dürfen diese ihre neu
eingestellten Leute - so sie denn unter 26 sind - auch 2 Jahre lang
ohne großes Federlesen wieder rausschmeißen! WAS soll das bitte
bringen?
> > zu einem “Schleudersitz” verkommt. Die ersten, die fliegen werden,
> > wenn das Unternehmen Anlass zur Stellenreduzierung sieht, werden
> > ausgerechnet die Jungen sein, denn in ihrem Fall werden keine
> > Abfindungen und keine Kündigungsfristen mehr anfallen.
>
> Das ist reine Spekulation.
Nein, das sind Erfahrungswerte. Die Unternehmen tendieren zur
Mitnahmementalität, wo immer es nur geht. Der Punkt ist doch der:
Wenn heute kein Geld für neue Stellen in den Unternehmen vorhanden
ist, wieso sollte es das auf einmal jetzt? Nur, weil die Option
steht, den Angestellten auch jederzeit wieder feuern zu können?
Sollen diese 4 Wochen wirklich den Unterschied machen? Dann wird der
Jugendliche ja also doch gerade deshalb eingestellt, WEIL man bereits
einplant, ihn nicht weit kommen zu lassen. Ansonsten bräuchte das
Unternehmen die 2-Jahres-Regelung ja nicht.
> Das sieht man auch daran, dass wenn es um
> die Alten geht, genau gleich, nur mit umgekehrten Vorzeichen
> argumentiert wird (die Alten sind die ersten, die entlassen werden,
> die Jungen sind ja besser manipulierbar).
Was hat das jetzt damit zu tun?
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Time: 30. Mai 2008, 07:03
[…] was wir verdienen! Grüsse Hmmmm PS: Das Ganze ist als reine Betrachtung der Realität zu sehen und nicht […]