Quark - Die Proteste in Frankreich halten an
> Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass es beim Streik um
> Besitzstandswahrung der Inhaber von Arbeitsstellen geht und nicht um
> die Interessen der beinahe 25% arbeitslosen Jugendlichen.
Selbstverständlich ist das so. Und das ist auch gut so. Es ist nicht
die Schuld derjenigen, die von einem Arbeitsplatz abhängen, daß
andere keinen haben.
Was soll
> denn ein Staat tun, wenn sich unter den aktuellen gesetzlichen
> Rahmenbedingungen eine solche hohe Zahl von Arbeitslosigkeit unter
> Jugendlichen entwickelt?
Sich vom Kapitalismus abwenden.
> Eine gewisse Liberalisierung des
> Arbeitsmarktes ist die einzige Lösung, die sich bietet.
Dies ist falsch.
> (Die Arbeitslosigkeit der ausländischen Jugendlichen
> und der der 2. Generation ist noch um einiges höher).
Die hätte man nicht ins Land lassen müssen.
> Man sollte sich vor Augen halten, dass beinahe 90% aller Firmen und
> Unternehmen weniger als 100 Angestellte haben. Dieses sind es, die
> die Wirtschaftskraft des Landes darstellen.
Oh, das Lob auf den Mittelstand. Völliger Quark. Nur große Kombinate
erzeugen massive Skaleneffekte und sind in der Lage hochwerte
Massenproduktion zu liefern. Der Golf wird nicht in irgendeiner
Mittelstandsklitsche zusammengeschraubt, der Citroen auch nicht.
> Firmen stellen nicht
> Leute an, um sie sobald als möglich wieder zu entlassen.
Firmen wollen und müssen Profit machen. Ob und wieviele Menschen dort
arbeiten ist völlig egal. Selbstverständlich wird jeder Kapitalist
sofort einen Arbeiter kündigen, wenn es den Profit erhöht.
> (Eine
> Anstellung ist immer auch eine Investition und eine Entlassung ist
> immer auch eine Abschreibung.)
Eine Investition, die sich nicht lohnt wird abgeschrieben. Es gibt
keine lieben oder netten Kapitalisten.
> Eine Liberalisierung (man hätte sie klüger anpacken können in F)
> erleichtert zwar einerseits Entlassungen, führt aber auch zu
> vermehrter Anstellung.
Ein unsicherer Arbeitsplatz und damit die Unmöglichkeit
längerfristiger Lebensplanung kann nicht das Ziel sein: Es geht immer
um Risikominimierung und die Externalisierung von Kosten: Der
Kapitalist will sein Risiko minimieren, daß sich die Investition
“Arbeiter” nicht lohnt, dies erreicht er, indem den Arbeiter
jederzeit kündigen kann. Der Arbeiter will u.a. eine sichere
Lebensplanung (=Risikominimierung), die erreicht er mit
Kündigungsschutz.
Selbstverständlich steht das wohl der Menschen und ihre Sicherheit
über dem Wohl des Kapitalisten.
Mit dem neuen Kündigungsrecht müssen die Franzosen erst mal 12 Monate
rigorosen Konsumverzicht üben, um überhaupt das elementare Notpolster
von 3 Monatsgehältern anzusparen.
Auch danach können sie keinerlei längerfristige Investitionen
tätigen: Kinder zeugen, Auto- oder Eigenheimfinanzierung, jede Art
der Versicherung oder Sparvertrag, die nicht sofort kündbar sind,
sind unmöglich. Es wäre schlicht verantwortungslos und dumm, eine
langfristige Verpflichtung einzugehen, wenn man nicht weiß, ob man
morgen überhaupt noch Arbeit hat.
Sprich: Die Franzosen werden während der ersten zwei Jahren einen
sehr viel niedrigernen Lebensstandard haben.
Und wer trotzdem ein Auto kauft und sich darauf verläßt, daß ihn ein
anderer Kapitalist schon wieder anstellen wird, wenn er entlassen
wird, der nimmt ein Risiko auf sich, daß ihn zwingt, im Zweifel auch
für weniger Lohn zu arbeiten, damit er seine Schulden bedienen kann.
Wo das endet, kann man in Großbritannien und den VSA sehen: Dank hire
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Time: 3. Mai 2008, 19:04
[…] vor einem Jahr zunächst gegen das Vorhaben war und gestern dafür gestimmt hat, wird diesem Wunsch entsprechen. Einmal, weil es die politische Taktik und die Konstellation der Elefantenkoalition […]